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Über die 163jährige Geschichte des Hauses Heinrichstraße 47 in Gera wurde im Rahmen eines ABM-Projektes des Vereins der Freunde und Förderer des Clubzentrum COMMA e. V. von Frau Carmen Döbler eine Ausstellung auf 16 Bildtafeln gefertigt, welche seit dem 11. Januar 2000 im Clubzentrum COMMA gezeigt wird.

Es ist sicherlich verständlich, daß diese chronologische Zusammenstellung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann. Vielleicht gibt das Material aber den Anstoß, um auf dieser Grundlage die Arbeit später fortzusetzen.

Das Material stammt aus dem Stadtarchiv Gera, dem Archiv des Bauordnungsamtes Gera und aus Privatbesitz.

Besonderer Dank all jenen, die mit Materialien, sachkundigen Hinweisen und Informationen bei der Recherche, welche den größten Zeitfaktor einnahm, hilfreich zur Seite standen: allen Mitarbeitern des Stadtarchivs Gera, des Archivs beim Bauordnungsamt, des Stadtmuseums, der Kunstsammlung Gera, des Otto-Dix-Hauses, Herrn Rudi Nöldner und den Mitgliedern der Fachgruppe Heimatgeschichte im Kulturbund Gera e. V., Herrn Joachim Stumpf, Frau Inge Kootz, Frau Grunewald, Frau Khan und allen nicht genannten Helfern.

Die Geschichte des Hauses Heinrichstraße 47
Bürgererholung

1803
  • im Gasthof "Zum Goldenen Roß" am Markt Gründung einer Gesellschaft, die sich   anfangs "Öffentliche Gesellschaft für Künstler und Handwerker" nannte
  • später, als auch "nichtgelehrte" Künstler, wie der Stadtmusikus, aufgenommen   wurden, nannte man sich "Bürgererholung"
  • erstes Stiftungsfest wurde mit 100 Personen gefeiert
  • die Gesellschaft wuchs und man wollte bald ein eigenes Gesellschaftshaus
1836
  • Kauf des Grundstücks "Hutscher Garten" mit Gebäuden und Feld mit Gartenrecht   an der Schleizer Straße (heute Heinrichstraße) vom Hofsattler Karl Dix für 4035 Reichstaler durch die Bürgererholungsgesellschaft
1837
  • Bau des Gesellschaftshauses im Regieverfahren
  • Baukosten 7938 Rthlr. 11 gr. 7 Pfg. Spec. a 36 gr.
  • das Gebäude zeigte die Nüchternheit der Zeit und des Bürgertums
  • es stand damals frei im Gelände, die geschlossenen Häuserreihen der Stadtendeten am Roßplatz
  • Veranstaltung von Festen, Bällen und Konzerten für die gehobene Gesellschaft vonGera und Umgebung (z.B. 1848 Festball zu Ehren der Anwesenheit des FürstenHeinrich LXII.)
1851
  • Bau der Kolonnaden und Kegelhausanbau
  • Erhöhung der Mauer zum Friedhof
1853
  • Gasbeleuchtung wurde bis an das Erholungsgebäude herangeführt (Verein mußte sich an diesen Kosten beteiligen) und im gesamten Haus installiert (Kosten dafür übernahm Direktor Robert Franke)
  • Kauf eines Kronleuchters für den Saal für 275 Taler
  • am 20. November fand eine große Festveranstaltung zum 50. Jubiläum der Bürgererholungsgesellschaft statt
1860
  • Bau der Konzerthalle (Vergrößerung des vorhandenen Saales durch Anbau eines Seitensaales, höhere Deckengestaltung des entstandenen Parterreraumes (Nutzung als Gartensalon) ergab Niveauveränderung im oberen Saal
  • 19. März Baubeginn, Fertigstellung im Sommer
  • Baukosten 4027 Taler
  • Leitung des Baus hatte Architekt Gerhardt
  • für den Hauptsaal wurde ein 4teiliger großer Spiegel von Tischlermeister Garthe angefertigt
  • Gürtlermeister Bimberg fertigte 2 Kronleuchter für den Speisesaal
1862
  • Einrichtung von Gasbeleuchtung im Garten
  • Kosten: ca. 221 Taler
1872
  • Abriß der hölzernen Kolonnade an der Nordseite des Gartens
1874
  • unentgeltliche Umgestaltung des Gesellschaftsgartens durch Regierungsgeometer Pabst
1875
  • Bau einer Marmorkegelbahn
  • Ausführung: Marmorwerk A. Dressel in Döschnitz bei Schwarzburg
1891
  • Abtretung des Vorgartens an die Stadtverwaltung zur Veränderung des Kreuzungsbereiches Schmelzhüttenstraße
  • Aufhebung der Gärtnerei und Umgestaltung der Gärtnerwohnung in Küche, Vorratskammer und Waschhaus
  • Vergrößerung des Billardzimmers im 1. Stock durch Hinzunahme des Lesezimmers
1910
  • Vergrößerung des Saales durch Anbau einer Konzertmuschel
  • Kosten 20 000 Mark
1914 - 1918
  • während des 1. Weltkrieges Unterbrechung des Gesellschaftslebens durch Nutzung des Hauses als Lazarett und Quartier einer Kompanie
1920
  • Gesellschaft führte wieder Veranstaltungen durch
1925
  • großer Umbau fast aller Räume
  • Kosten ca. 90 000 Mark
  • Finanzierung größten Teils durch freiwillige Darlehen der Mitglieder
  • Einbau einer Zentralheizung
  • Umbau der Glasveranda zur Wohnung für Wirtschaftspächter
1928
  • Erneuerung und Umgestaltung der Gebäudefront zum 125jährigen Vereinsjubiläum
Stadtgarten

1937
  • Verkauf des Grundstücks an die Stadt Gera
  • Umbau zum "Stadtgarten"
  • Abriß der "Lästerhalle" und der Mauer an der Schleizer Straße/Park
  • neuer Anbau zur Straßenseite
  • Einebnung des Wirtschaftsgartens
  • Veränderung der Terrasse an der Schleizer Straße, wodurch längs des Bürgersteiges ein 2,50 m breiter Grünstreifen entstand
  • Verlegung des Haupteingangs an die Seite zur Schleizer Straße
  • Öffnung des Seiteneingangs in der Schmelzhüttenstraße
1939 - 1945
  • während des 2. Weltkrieges Nutzung des Hauses wieder als Lazaret
  • am 12. Mai 1944 wurde das Haus beim Angriff auf Gera von Bomben getroffen
  • hier fanden acht Soldaten und zwei Krankenschwestern den Tod
Klubhaus der Jugend

1950
  • Übergabe des Hauses zur Nutzung an die Freie Deutsche Jugend
1953
  • beim Volksaufstand am 17. Juni wurden im Haus Türen, Fenster, Musikinstrumente und die Telefonanlage zerstört
  • nach umfangreichen Renovierungsarbeiten Eröffnung als "Bezirksklubhaus der Jugend"
  • regelmäßige Veranstaltung von Tanzabenden, Filmvorführungen und Ausstellungen
  • Treffpunkt vieler Arbeitsgemeinschaften z.B. Zirkel für Fototechnik, Klub junger Techniker, Schneidern und Mode, Chor, Volkstanz, Orchester, Kabarett, Laienspiel,Astronomie, Touristik, Aquarienfreunde u. a.
1956
  • erneut Renovierungsarbeiten anläßlich des 10. Jahrestages der FDJ
  • zwischenzeitlich war auch das Pionierhaus im Gebäude untergebracht
Bildungsstätte der SED

Mitte der 60er Jahre
  • Übergabe des Hauses an die SED - Kreisleitung zur Nutzung als Bildungsstätte
  • zu diesem Zweck erfolgten erneut Renovierungs- und Umbaumaßnahmen
  • bis 1990 Durchführung von Seminaren, Schulungen und anderen Parteiveranstaltungen
Clubzentrum COMMA


1990
  • Eröffnung des Clubzentrum COMMA als städtische Kultureinrichtung mit einem breiten altersübergreifenden Angebot: wie z.B. Kinderveranstaltungen, Konzerte, Tanzveranstaltungen, Seniorennachmittage, Filmvorführungen, Ausstellungen und Lesungen; Heimstätte von zahlreichen Vereinen; Organisation zahlreicher überregionaler Veranstaltungen (z.B. Kinderfilmfestival "Goldener Spatz", Kinder- und Jugendschutztag Thüringen, Vidiofilmtage Rheinland-Pfalz/Thüringen)
  • Einrichtung des Cafè "Comma" im Erdgeschoß
1991
  • Umbau des ehemaligen Kohlenkellers zur Kellerbar "Heinrichskeller"
  • Eröffnung des neugestalteten COMMA-Hofes zum schönsten Biergarten Geras
  • Ausbau des Küchentraktes und Übergabe des gastronomischen Bereiches an einen privaten Betreiber
1994
  • Neugestaltung der Eingangszone mit Einrichtung einer Garderobe
  • Umbau des kleinen Saales
  • Erneuerung der Ton- und Lichttechnik
1997
  • durch Sponsorenhilfe Einbau von Schallschutzfenstern
  • im Oktober Sperrung der Säle auf Grund der Baufälligkeit des Dachgeschosses
1998
  • komplexe Sanierung
  • Erneuerung des Daches einschließlich der Obergeschoßdecken
  • Einrichtung von Büroräumen im Dachgeschoß
  • Installation einer Lüftungs- und Heizungsanlage
  • Anbau eines behindertengerechten Fahrstuhles an der Rückseite des Gebäudes
  • Verlegung neuer Fußböden und Renovierung im gesamten Haus
1999
  • Gestaltung eines Wandbildes im großen Saal durch E. Dietzsch
  • Fertigstellung aller Sanierungsmaßnahmen im Dezember
  • erste Veranstaltung ist die Silvesterparty
11. Januar 2000 feierliche Wiedereröffnung des Hauses